Die Badgestalter geben Tipps gegen die Rutschgefahr im Bad

Zitzelsberger baut barrierefreie Badezimmer

Foto: Andreas Lode

Unternehmensporträt: Die Firma Zitzelsberger hat sich auf den Umbau von Sanitärräumen spezialisiert. Welche Ratschläge Inhaber Alfons Kugelmann für eine barrierefreie Gestaltung hat. Interview von Regine Kahl, Augsburger Allgemeine.

Eine unbequeme Sanitäranlage ist das Hindernis Nummer eins, um möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu bleiben

Tipps gegen die Rutschgefahr im Bad. Etwa 90 Bäder und Gäste-WCs haben Alfons Kugelmann und sein Team im vergangenen Jahr umgebaut. Meistens Bäder, die für ältere  Menschen  nicht  mehr  geeignet oder zu nutzen waren. Denn Gefahrenstellen  gibt  es  viele:  eine  hohe Badewanne, scharfe Kanten an den Heizkörpern  oder  eine  nach  innen aufgehende  Tür.  Stürzt  jemand  zu Boden, kommen Familie oder Notarzt oft nicht mehr rein. Alfons Kugelmann ist mit seiner Firma   Zitzelsberger   Badgestalter vor einem Jahr von Augsburg nach Neusäß  in  das  ehemalige  Gebäude einer  Schreinerei  in  der  Piechlerstraße gezogen. Zusammen mit seiner Frau Petra Schabinger hat er der in  Steppach  aufgewachsene  Unternehmer sich auf Badgestaltung spezialisiert. Die Nachfrage nach Umbauten steige von Jahr zu Jahr, berichtet  der  Geschäftsinhaber.  Viele Verbraucher wüssten, dass eine unbequeme Sanitäranlage das Hindernis Nummer eins ist, um möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu bleiben und nicht ins Heim zu müssen. Kugelmann betont: „Barrierefrei  muss  nicht  Klinikcharme  bedeuten.“  Ein  Rat  ist  ihm  wichtig: sich  rechtzeitig  Gedanken  über  einen Umbau machen, bevor jemand verletzt wird. Damit es nicht so läuft wie  in  einem  aktuellen  Fall:  Ein 65-jähriger Kunde ist beim Aussteigen   aus   der   Badewanne   ausgerutscht, aufs Waschbecken gefallen und  ist  jetzt  querschnittsgelähmt. Sein  Bad  muss  in  der  ganzen  Not unter Hochdruck für ihn  umgebaut werden.

Rechtzeitig über ein anderes Bad Gedanken machen

Es  gebe  aber  auch  die  Kunden, die sich rechtzeitig über ein anderes Bad  Gedanken  machen,  sagt  Petra Schabinger. Meist, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Die Zeit in der kleine Kinder in der Duschwanne gebadet wurden, ist vorbei, und die Bewohner können das alte Bad nicht mehr sehen. „Die meisten machen es dann gleich so, dass es für die nächsten 20 bis 30 Jahre passt.“ Ein neues Bad inklusiv aller Arbeiten, Materialien und Licht mit einer Größe von acht bis zwölf Quadratmetern koste rund 32.000 bis 36.000 Euro, sagt Kugelmann. Solche Zahlen seien aber schwierig zu verallgemeinern: „Jedes Bad schaut anders aus und die Wünsche auch.“ Kugelmann hat die seit über 70 Jahren bestehende Firma von Wilfried Zitzelsberger übernommen und den Namen behalten. In einer Weiterbildung hat sich der gelernte Elektriker und Sanitär- und Heizungstechniker auf Badgestaltung spezialisiert. Die Gefahr für Unfälle im Bad sei groß, weiß der Experte. Grund sei gerade bei Senioren Schwindel oder Schwäche. Oftmals müsse er aber auch im Erdgeschoss eine ehemalige Speise oder ein Gäste-WC zum Bad ausbauen, weil einer der Bewohner nicht mehr die Treppe nach oben kommt. Um ein Bad barrierefrei und seniorenfreundlich zu machen, gibt es einige Ansatzpunkte. Schiebetüren aus Glas seien sinnvoll, so Kugelmann. So kämen Helfer gut nach innen, wenn jemand im Bad umgefallen ist. Wannen seien oft ein großes Problem. „Reinkommen geht für viele noch, aber raus eher schlecht.“ Besser geeignet sei eine bodengleiche und rollstuhlgerechte Dusche mit einer Glasfaltwand. Kugelmann: „Der Aktionsradius mit Rollstuhl oder Gehhilfe muss möglichst groß sein“. Herumstehende Dinge wie Abfalleimer oder Behälter für Schmutzwäsche sind dem Spezialisten ein Dorn im Auge. Diese Stolperfallen sollten in Schränken oder Wänden integriert sein. In de Dusche sind  ein  Haltegriff  und  ein Klappsitz  eine  Hilfe.  Unpraktisch findet  Kugelmann  die  Badehocker für Duschen, die von den Krankenkassen  verschrieben  werden.  „Das geht doch immer im Weg um.“ (Tipps gegen die Rutschgefahr im Bad)

Japan-Washlets bieten extra Komfort

Von  den  Japanern  könnten  sich die Deutschen einiges bei den Toiletten  abschauen,  sagt  Kugelmann. In  dem  Land  seien  Washlets  gang und gäbe. Diese Toiletten haben einen   „Nasswaschgang“   und   einen Föhn und sind über Fernbedienung zu steuern. Gerade für Nutzer, die nicht  mehr  so  beweglich  sind,  sei dies eine Erleichterung bei der Hygiene. Auch beim Waschbecken gibt es Dinge zu beachten: Gut wäre, wenn es darunter zu befahren ist und seitlich Griffe zum Hochziehen hat. Der Hahn  sollte  zum  Schwenken  sein, damit man sich die Haare waschen kann.   Überstehende   Fenstersimse gehören  nach  Ansicht  von  Kugelmann   entfernt   und   bündig   zur Wand abgeschlossen. Schwellen auf dem  Boden  seien  gefährlich. Um dem  Menschen  das  Gefühl  von  Sicherheit zum Beispiel beim Schwindel zu geben, spiele auch die Farbgebung  eine  Rolle:  Unten  dunkel und  nach  oben  hell.  Kugelmann: „Das erdet uns.“ In der Neusässer Firma arbeiten zwölf  verschiedene  Handwerksberufe   für   den   Umbau   eines   Bads Hand  in  Hand.  15  Angestellte  gibt es. (Tipps gegen die Rutschgefahr im Bad)

Zitzelsberger als „Badplaner des Jahres 2019“ ausgezeichnet

Kugelmann hat übrigens Grund zur  Freude:  Die  Firma  bekam  die Auszeichnung  „Badplaner  des  Jahres  2019“.  Der  Unternehmer  aus Neusäß  hatte  sich  gegen  mehr  als 100 Badgestalter durchgesetzt. Der Preisträger überzeugte mit Planung und   Umsetzung   eines   Bades   in Augsburg.  Nach  dem  Vorbild  der vom  Schweizer  Architekten  Peter Zumthor errichteten Valser Therme (Graubünden,  Schweiz)  wurde  das Badezimmer in einem Einfamilienhaus  gestaltet.  Der  jährliche  Wettbewerb wird seit 1997 von der Leistungsgemeinschaft des Sanitär- und Heizungsfachhandwerks SHK, Bruchsal, ausgeschrieben.

Zitzelsberger baut barrierefreie Badezimmer
Foto: Andreas Lode

„Die Badgestalter“, Alfons Kugelmann und Petra Schabinger, die Inhaber der Firma Zitzelsberger in Neusäß, zeigen ein behindertengerechtes Bad in ihrem Ausstellungsraum.

Interview Augsburger Allgemeine kompakt als PDF

keine Barrierefreiheit in diesem Badezimmer
Foto: Zitzelsberger

So sehen viele Bäder aus, die im Alter umgebaut werden sollten. Gefährlich bei Stürzen sind zum Beispiel die Ecken der Fensterbretter.

Badezimmer mit Stein aus Valser Quarzit von Zitzelsberger

Preisgekröntes Augsburger Badezimmer von Zitzelsberger, inspiriert durch die Valser Therme in Graubünden, Schweiz. Mit dem Umbau des Bades verwirklicht sich das Eigentümer-Ehepaar den Traum vom privaten SPA zu Hause.

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